Apple verliert den Anschluss – und Siri das Vertrauen

Apple verliert den Anschluss – und Siri das Vertrauen

Woran es liegt, dass der smarte Assistent im Alltag kaum noch hilft – und warum das zum Problem wird.

Gestern war ich mit meiner Familie im Auto unterwegs. Wie so oft hatte ich Apple Maps zur Navigation geöffnet und ließ mich von der Route leiten. Irgendwann kam die Frage von der Rückbank: „Wie lange dauert’s noch?“ Also aktivierte ich Siri und stellte die entsprechende Frage. Doch anstatt einer klaren Antwort erhielt ich – nichts Brauchbares. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, was genau Siri geantwortet hat, aber sie konnte die Anfrage schlicht nicht verarbeiten. Zu Hause das gleiche Spiel: Die Kinder wollten Hörspiele hören, also bat ich Siri, bestimmte Titel über Apple Music abzuspielen. Auch hier scheiterte sie – mal wurde etwas ganz anderes abgespielt, mal passierte gar nichts. Für ein Ökosystem, das sich durch Integration und Nutzerfreundlichkeit auszeichnen will, ist das ernüchternd.

Diese Erlebnisse sind leider kein Einzelfall. Siri wirkt für mich zunehmend überfordert, selbst bei einfachsten Aufgaben. Und das, obwohl Apple auf der letzten WWDC 2025 groß „Apple Intelligence“ angekündigt hat – inklusive einer neuen, angeblich deutlich intelligenteren Siri. Was auf den ersten Blick nach Aufbruch klingt, wird beim zweiten Hinsehen zur Enttäuschung: Viele der versprochenen Funktionen kommen frühestens 2026, und aktuell funktionieren die Neuerungen nur auf dem allerneuesten iPhone-Modell – und selbst dort nur eingeschränkt. Intern scheint Apple mit zwei verschiedenen Systemen für Siri zu arbeiten, die sich nicht nahtlos ergänzen. Das führt dazu, dass grundlegende Befehle wie die Fahrzeit oder das Abspielen von Inhalten über Apple Music regelmäßig scheitern. Währenddessen ziehen Wettbewerber wie Google, Amazon und Samsung mit ihren Assistenten spürbar an Apple vorbei.

Ich frage mich zunehmend, ob Apple die Kurve noch bekommt – oder ob sie sich in ihrer eigenen Komplexität verheddern. Vielleicht zielt das Unternehmen wirklich auf „The Next Big Thing“ und will erst dann wieder liefern, wenn alles perfekt ist. Aber in der Zwischenzeit verliert Siri schlicht an Bedeutung – und Apple an Vertrauen. Für mich ist das schade, denn ich erinnere mich an Zeiten, in denen Apple-Produkte einfach funktionierten. Heute ertappe ich mich immer häufiger dabei, Siri gar nicht mehr erst zu fragen. Nicht, weil ich die Funktionen nicht brauche – sondern weil ich die Antwort eh nicht bekomme.